Klima & Umwelt

Wie viel CO₂ spart unsere Energiegemeinschaft — und wie rechnen wir das?

Christoph Fabianek 5 Min. Lesezeit

In jeder Abrechnungsinformation steht eine CO₂-Ersparnis. Wir legen offen, wie wir sie berechnen und woher die Zahlen kommen — und ordnen ein, was Sonnenstrom weltweit bewirken kann.

In unserer monatlichen Abrechnungsinformation steht für jedes Mitglied eine CO₂-Ersparnis — im September 2026 waren es in der EEG Bad Vöslau-Flugfeld zum Beispiel 116 kg für die ganze Gemeinschaft. Woher kommt diese Zahl? Uns ist wichtig, dass Sie sie nachvollziehen und selbst nachrechnen können.

So rechnen wir

Jede Kilowattstunde, die Sie aus der Gemeinschaft beziehen, stammt von einer PV-Anlage in unserer Region. Ohne EEG hätten Sie diese Kilowattstunde aus dem allgemeinen Strommix bezogen. Die Einsparung ist daher der Unterschied zwischen beiden:

CO₂-Ersparnis = EEG-Strom in kWh × (Emissionsfaktor Strommix − Emissionsfaktor Photovoltaik)

Die beiden Faktoren stammen vom Umweltbundesamt:

  g CO₂e je kWh
Stromaufbringung Österreich 209
Photovoltaik − 40
Einsparung je kWh EEG-Strom 169

Quelle: Umweltbundesamt, Harmonisierte österreichische direkte und vorgelagerte THG-Emissionsfaktoren für relevante Energieträger & Technologien (REP-0948), Wien 2025, Tabelle 4.

Was hinter den Zahlen steckt:

  • 209 g ist der Durchschnitt für den Strom, der in Österreich verbraucht wird — inklusive Importen und inklusive der Emissionen, die schon vorher anfallen, etwa beim Abbau und Transport von Gas und Kohle. Datenbasis ist das Jahr 2022.
  • 40 g fallen auch bei Sonnenstrom an: für Herstellung, Transport und Entsorgung der Module und Wechselrichter, umgelegt auf ihre Lebensdauer. Deshalb rechnen wir PV-Strom nicht mit null.
  • „CO₂e“ steht für CO₂-Äquivalente: Andere Treibhausgase wie Methan sind darin entsprechend ihrer Klimawirkung mitgezählt.

Ein Beispiel zum Nachrechnen

In der Abrechnungsinformation für September 2026 der EEG Bad Vöslau-Flugfeld wurden 688,12 kWh in der Gemeinschaft geteilt:

688,12 kWh × 169 g = 116,29 kg CO₂e

Genau dieser Wert steht in der Zeile „Gesamt“. Für ein einzelnes Mitglied mit 236,85 kWh Bezug aus der EEG ergeben sich 236,85 × 169 g = 40,03 kg.

Nachvollziehbar in jeder Abrechnung

Ab sofort verweist jede Abrechnungsinformation auf diesen Beitrag, damit Sie die Berechnung jederzeit nachlesen können. Veröffentlicht das Umweltbundesamt neue Faktoren oder ändern wir die Berechnungsgrundlage, vermerken wir das hier und in der Abrechnungsinformation — mit Datum, neuem Wert und Quelle.

Warum wir vorsichtig rechnen

  • Durchschnitt statt Kohlestrom: Wir setzen den österreichischen Durchschnitt an, nicht den Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken, den Sonnenstrom im europäischen Netz oft tatsächlich verdrängt. Damit liegen wir eher zu niedrig als zu hoch.
  • Keine Doppelzählung: Wir zählen nur den Strom, der in der Gemeinschaft geteilt wird — nicht die gesamte Erzeugung unserer Anlagen. Was ohnehin ins Netz fließt, rechnen wir uns nicht an.

Was eine EEG darüber hinaus bewirkt, lässt sich schwer in Kilogramm fassen, ist aber real: Ein fairer Preis für Überschussstrom macht neue PV-Anlagen attraktiver, wer mitmacht, legt Verbrauch eher in die sonnigen Stunden, und Strom, der in der Nähe verbraucht wird, entlastet die Netze.

Das große Bild: Was kann Sonnenstrom weltweit bewirken?

Weltweit verursachen Menschen derzeit rund 42 Milliarden Tonnen CO₂ pro Jahr — gut 38 Milliarden aus Kohle, Öl und Gas, der Rest durch Landnutzung wie Abholzung. Stellen Sie sich diese Menge als 100 Bausteine vor:

100 CO₂-Bausteine: rund 3 heute schon durch Solarstrom vermieden, rund 30 übrige Stromerzeugung, rund 67 Verkehr, Industrie, Heizen, Landwirtschaft und Landnutzung

  • Rund ein Drittel der Bausteine entsteht bei der Stromerzeugung. Mit knapp 14 Milliarden Tonnen ist sie der größte einzelne Verursacher.
  • Die übrigen zwei Drittel stammen aus Verkehr, Industrie, Heizen, Landwirtschaft und Landnutzung.
  • Solaranlagen lieferten 2024 weltweit rund 7 % des Stroms. Je nachdem, welchen Strom sie ersetzen, vermeiden sie damit grob 1 bis 1,7 Milliarden Tonnen CO₂ im Jahr — also 2 bis 4 der 100 Bausteine.

Würde der gesamte Strom erneuerbar erzeugt — aus Sonne, Wind und Wasserkraft gemeinsam —, könnte rund ein Drittel der Bausteine verschwinden. Und es können noch mehr werden: Wenn Autos elektrisch fahren und Wärmepumpen heizen, spart sauberer Strom auch bei Verkehr und Heizen CO₂.

Im weltweiten Vergleich ist Strom in Österreich übrigens schon recht sauber: Im globalen Durchschnitt verursacht eine Kilowattstunde rund 445 g CO₂ direkt im Kraftwerk, in Österreich sind es rund 167 g. Jede geteilte Kilowattstunde spart bei uns deshalb weniger als im Weltdurchschnitt — sie zählt aber trotzdem.

Quellen: Global Carbon Budget 2025 (Emissionen 2025), IEA Electricity 2025 (Stromsektor 2024: 13,8 Mrd. t, 445 g/kWh), Ember Global Electricity Review 2025 (Solar 2024: 2.131 TWh, 6,9 %). Die Einsparung durch Solarstrom ist unsere eigene Überschlagsrechnung: 2.131 TWh × 0,5 bis 0,8 kg CO₂ je verdrängter kWh.

Unser Beitrag

Unsere Energiegemeinschaft ist in diesem großen Bild ein kleiner, aber sehr konkreter Baustein: Jede Kilowattstunde, die wir in Bad Vöslau teilen, ist nachweisbar erneuerbar, kommt vom Nachbardach und ist in Ihrer Abrechnungsinformation nachvollziehbar ausgewiesen. Fragen zur Berechnung beantworten wir gerne.

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